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»bi biographie«
2007.12.20, 15:45
bi_blut in moskau
Am 14. Juli flog ich zu meiner ersten Reise nach China ab. Ich buchte die Tour mit Meyers Weltreisen.
Wir waren 25 Teilnehmer und starteten mit Aeroflot-Flugzeug vom Flughafen Berlin-Schoenefeld in der DDR, wohin ich mit Zubringerflug von Nürnberg kam.
Unsere deutsche Reisebegleiterin hieß Monika, eine nette junge Frau, Sinologiestudentin aus Hamburg.
Beim Flug nach Moskau hatten wir schönes Wetter und einen weiten Blick über die Landschaft.
Dabei fiel mir die unterschiedliche Baukultur auf.
Bis zur ehemaligen deutschen Grenze waren fast alle Gebäude mit roten Dachziegeln gedeckt, während weiter östlich dunkle Dach-Bedeckung vorherrschte.
In Moskau besichtigten wir zwei Tage lang die Sehenswürdigkeiten.
Bei der Bus-Rundfahrt hatte ich mein Sonder-Erlebnis. Wir fuhren am Südufer der Moskwa entlang und hielten gegenüber dem Kreml, weil man von dort aus den besten Gesamtanblick auf die Kremtmauer und die dahinter liegenden Bauten hat.
Die schräge betonierte Flußböschung war von Steintreppen bis ins Wasser unterbrochen.
Ich wollte fühlen, wie kalt das Wasser ist, und stieg den nächsten Stufen hinunter.
Auf der vorletzten rutschte ich aus, da sie durch Tangbewuchs glitschig war, aber nur bis zur nächsten,
und viel nicht ins Wasser, dafür hintenüber
und schlug mit dem Hinterkopf auf die Kante einer höheren Stufe.
Es floss etwas Blut und ich wurde in ein Krankenhaus gebracht wo eine Ärztin mit drei Stichen die Wunde zunähte und mit einem großen Pflaster verklebte.-
Wir waren 25 Teilnehmer und starteten mit Aeroflot-Flugzeug vom Flughafen Berlin-Schoenefeld in der DDR, wohin ich mit Zubringerflug von Nürnberg kam.
Unsere deutsche Reisebegleiterin hieß Monika, eine nette junge Frau, Sinologiestudentin aus Hamburg.
Beim Flug nach Moskau hatten wir schönes Wetter und einen weiten Blick über die Landschaft.
Dabei fiel mir die unterschiedliche Baukultur auf.
Bis zur ehemaligen deutschen Grenze waren fast alle Gebäude mit roten Dachziegeln gedeckt, während weiter östlich dunkle Dach-Bedeckung vorherrschte.
In Moskau besichtigten wir zwei Tage lang die Sehenswürdigkeiten.
Bei der Bus-Rundfahrt hatte ich mein Sonder-Erlebnis. Wir fuhren am Südufer der Moskwa entlang und hielten gegenüber dem Kreml, weil man von dort aus den besten Gesamtanblick auf die Kremtmauer und die dahinter liegenden Bauten hat.
Die schräge betonierte Flußböschung war von Steintreppen bis ins Wasser unterbrochen.
Ich wollte fühlen, wie kalt das Wasser ist, und stieg den nächsten Stufen hinunter.
Auf der vorletzten rutschte ich aus, da sie durch Tangbewuchs glitschig war, aber nur bis zur nächsten,
und viel nicht ins Wasser, dafür hintenüber
und schlug mit dem Hinterkopf auf die Kante einer höheren Stufe.
Es floss etwas Blut und ich wurde in ein Krankenhaus gebracht wo eine Ärztin mit drei Stichen die Wunde zunähte und mit einem großen Pflaster verklebte.-
2007.08.13, 14:17
by huk
about: bi biographie
bi_schnitterkolonne
Ich hatte ja auch Glück, dass wir von der großen Stadt Berlin in den kleinen Orten Neu Bentschen zogen, wo wir näher in der Natur leben konnten. Dort fand ich auch bald neue Freunde. Unser Haus lag westlich der Hauptstraße, die damals noch Öser-Straße hieß, aber 1933 bald in Adolf-Hitler-Straße umbenannt wurde. Einen Kilometer weit fast genau südwärts führt sie zum kleinen Bahnhofsvorplatz und in Bahnhofs- nebst Postgebäude.
In nördlicher Richtung geht sie am Ortsende in die Landstraße nach Groß Dammer und weiter über mehrere Dörfer in die Kreisstadt Meseritz (30 km). Links der Öser-Straße waren die Beamtensiedlungen, auf der rechten Seite Bauplätze für private und andere Häuser vorgesehen. Vor unserer Glasveranda lag damals ein riesiges Weizenfeld, das bis zur nächsten Querstraße reichte. Am Ende dieser Querstraße steht die große evangelische Kirche, rechts davon das Gemeindehaus und links das Pfarrerhaus mit großem Garten. Als das Getreide im August reif, kam eine Schnitterkolonne aus Polen, sechs Frauen und sechs Männer. Die Männer gingen in einer quer gestaffelten Reihe und schnitten mit ihren großen Sensen die Halme dicht am Boden ab. Die Frauen rafften die Halme mit beiden Armen zusammen und banden große Garben, die sie zu „Puppen“(kleine Spitzhütten zu je 6 Garben auf jeder Seite) mit der Ährenseite nach oben aufstellten. Leidenschaftlich gern schlief ich im Sommer nachts in diesen kleinen „Häuschen“. Man erzählte, dass die polnischen Bauersfrauen Sommer wie Winter sieben Unterröcke trugen, da das sowohl gegen Hitze wie gegen Kälte schützt. Schräg
gegenüber unserem Haus wohnte mein bester Freund Gerhard Bandke, 1 Monat älter und 1 Kopf größer als ich. Wenn wir einen Ringkampf machten, landete ich jedes Mal im Schwitzkasten. Sein Vater war Lokführer. Die Eisenbahnerhäuser hatten in der Mitte die Eingangstür,dahinter das Treppenhaus und rechts und links im Parterre und ersten Stock je eine Wohnung. Bandkes wohnten im ersten Stock links. Ihre Wohnung war kleiner als unsere, dafür hatten sie hinter dem Haus ein Stallgebäude und einen großen Garten.---------------
In nördlicher Richtung geht sie am Ortsende in die Landstraße nach Groß Dammer und weiter über mehrere Dörfer in die Kreisstadt Meseritz (30 km). Links der Öser-Straße waren die Beamtensiedlungen, auf der rechten Seite Bauplätze für private und andere Häuser vorgesehen. Vor unserer Glasveranda lag damals ein riesiges Weizenfeld, das bis zur nächsten Querstraße reichte. Am Ende dieser Querstraße steht die große evangelische Kirche, rechts davon das Gemeindehaus und links das Pfarrerhaus mit großem Garten. Als das Getreide im August reif, kam eine Schnitterkolonne aus Polen, sechs Frauen und sechs Männer. Die Männer gingen in einer quer gestaffelten Reihe und schnitten mit ihren großen Sensen die Halme dicht am Boden ab. Die Frauen rafften die Halme mit beiden Armen zusammen und banden große Garben, die sie zu „Puppen“(kleine Spitzhütten zu je 6 Garben auf jeder Seite) mit der Ährenseite nach oben aufstellten. Leidenschaftlich gern schlief ich im Sommer nachts in diesen kleinen „Häuschen“. Man erzählte, dass die polnischen Bauersfrauen Sommer wie Winter sieben Unterröcke trugen, da das sowohl gegen Hitze wie gegen Kälte schützt. Schräg
gegenüber unserem Haus wohnte mein bester Freund Gerhard Bandke, 1 Monat älter und 1 Kopf größer als ich. Wenn wir einen Ringkampf machten, landete ich jedes Mal im Schwitzkasten. Sein Vater war Lokführer. Die Eisenbahnerhäuser hatten in der Mitte die Eingangstür,dahinter das Treppenhaus und rechts und links im Parterre und ersten Stock je eine Wohnung. Bandkes wohnten im ersten Stock links. Ihre Wohnung war kleiner als unsere, dafür hatten sie hinter dem Haus ein Stallgebäude und einen großen Garten.---------------
2007.08.12, 14:06
by huk
about: bi biographie
bi_prima
In Neu Bentschen
besuchte ich dann die Vorstufe des Realgymnasiums Schwiebus, die in der dortigen Volksschule untergebracht war. Drei Jahre in der Quinta, Quarta und Untertertia, danach als Fahrschüler zwei Jahre lang das Realgymnasium in Schwiebus, Obertertia und Untersekunda. Das war ein großes altes dreistöckiges Gebäude, mit anderen Schulen in einem Park nahe dem Stadtzentrum gelegen. Von unseren Lehrern dort habe ich besonders Studienrat Dr. Posseldt in Erinnerung. Er gab meine Lieblingsfächer Erdkunde und Geschichte, auch Latein wobei mir sogar Cäsar interessant wurde.
Durch die täglich über zwei Stunden Reiseweg (mehrere km Fußweg und 2x22 km Bummelzugfahrt) wurde mein Lerneifer wohl nicht besonders angeregt und mein Vater fürchtete, dass ich das Abitur nicht schaffen würde. So absolvierte ich die letzten beiden Schuljahre (Obersekunda und Prima) in der Schulgemeinde Wickersdorf bei Saalfeld/Saale in Thüringen. Sorry, dass ich zu bequem bin, unsere alten Klassennamen in die heutigen umzurechnen.
Die fünf Lebensjahre in Neu Bentschen (11 bis 15) habe ich in wunderbarer Erinnerung. Das sind wohl auch die Jahre in denen man am meisten in seiner menschlichen Entwicklung lernt.
Ich hatte ja auch Glück, dass mein Vater ein wohlhabender Geschäftsmann war.
Obwohl die Erträge seiner Firma in Danzig wohl
um einiges höher waren, hatte er immer noch ein überdurchschnittliches Einkommen.
Er hat mir die Grundsätze eines ehrbaren Kaufmanns beigebracht, die heute wohl meist als veraltet gelten.
Die letzte Buchhalterin meines Vaters, die jetzt in Berlin wohnt und mit meiner Schwester gut befreundet war, sagte mir vor einiger Zeit, dass zwar ein Bankkredit aufgenommen wurde, wenn eine neue Maschine notwendig und nicht genug Bargeld in der Kasse war, dass dieses Darlehen möglichst kurzfristig, aber spätestens innerhalb von 1 1/2 Jahren zurückgezahlt wurde. Mein Vater steckte 1930 sein ganzes Barvermögen in den Aufbau des neuen Werkes.Das mehrere Hektar große Grundstück bekam er auf Erbpacht von einem benachbarten Gutsbesitzer.
Er kaufte oder baute auch kein eigenes Haus, sondern wir wohnten im großen Wohnhaus des Malermeisters Lehmann im ersten Stock.
Neu Bentschen war eine auf dem Reißbrett geplante Siedlung. Es waren meist kleine Reihenhäuser mit großen Gärten dahinter in unterschiedlicher Anordnung. So waren zwischen den Häuserreihen große Gartenflächen und die geraden parallel geführten Straßen verhältnismäßig weit auseinander. Der Ortsmittelpunkt war ein großer rechteckiger Platz, von Wohnstraßen umgeben, mit Rasenflächen, Bänken, Blumenbeeten, Bäumen und Sträuchern. An der Ostseite des Platzes stand das große zweistöckige Schulgebäude, in dem die Volksschule, unsere Gymnasialvorstufe und eine große Turnhalle untergebracht waren. Bahn, Post und Zoll hatten ihre eigenen Wohnstraßen, die Bahnbeamten natürlich in großer Mehrheit. Der Ort bildet ein großes Dreieck, mit Bahnhof, Lokomotivschuppen, ausgedehnten Gleisanlagen und anderen Gebäuden direkt an die lange Tangentenstraße angrenzend.
Das Sägewerk
lag an der Nordostecke des Ortes dicht neben den Gleisanlagen. Die Büro-Baracke stand im Mittelpunkt der Anlage, neben dem Lokomobilen-Haus und der Gatterhalle. Hinter dem riesigen hölzernen Bretterschuppen stand die gemauerte Hobelmaschinen-Halle. Durch beide Hallen führte das Eisenbahn- Anschlussgleis. Davor war der Rundholz- Platz mit der großen Krananlage, deren Ende auch über das Eisenbahn Gleis führte, so dass man mit dem in Kran die Baumstämme von den Güterwaggons abladen konnte. Neben der Gatterhalle wurde auch bald eine große Trocken- Kammer für Bretter gebaut. Das ganze Werksgelände war mit kleinen Bahngleisen durchzogen. Darauf konnte man auf kleinen Loren Bretterlandungen auf den Stapel-Platz im Freigelände und zwischen den Hallen hin und her schieben. Eine herrliche Spielbahn für uns Kinder, aber leider streng verboten(eigentlich).
Das Haus des Malermeister`s Lehmann lag auf der anderen Seite der Siedlung, etwa anderthalb Kilometer vom Sägewerk entfernt. Mein Vater fuhr täglich mit dem Fahrrad zum Werk, Sommer und Winter, bei jedem Wetter. Zunächst hatten wir in Neu Bentschen kein Auto und natürlich auch keinen Chauffeur. Bald kaufte mein Vater aber eine DKW Meisterklasse.
besuchte ich dann die Vorstufe des Realgymnasiums Schwiebus, die in der dortigen Volksschule untergebracht war. Drei Jahre in der Quinta, Quarta und Untertertia, danach als Fahrschüler zwei Jahre lang das Realgymnasium in Schwiebus, Obertertia und Untersekunda. Das war ein großes altes dreistöckiges Gebäude, mit anderen Schulen in einem Park nahe dem Stadtzentrum gelegen. Von unseren Lehrern dort habe ich besonders Studienrat Dr. Posseldt in Erinnerung. Er gab meine Lieblingsfächer Erdkunde und Geschichte, auch Latein wobei mir sogar Cäsar interessant wurde.
Durch die täglich über zwei Stunden Reiseweg (mehrere km Fußweg und 2x22 km Bummelzugfahrt) wurde mein Lerneifer wohl nicht besonders angeregt und mein Vater fürchtete, dass ich das Abitur nicht schaffen würde. So absolvierte ich die letzten beiden Schuljahre (Obersekunda und Prima) in der Schulgemeinde Wickersdorf bei Saalfeld/Saale in Thüringen. Sorry, dass ich zu bequem bin, unsere alten Klassennamen in die heutigen umzurechnen.
Die fünf Lebensjahre in Neu Bentschen (11 bis 15) habe ich in wunderbarer Erinnerung. Das sind wohl auch die Jahre in denen man am meisten in seiner menschlichen Entwicklung lernt.
Ich hatte ja auch Glück, dass mein Vater ein wohlhabender Geschäftsmann war.
Obwohl die Erträge seiner Firma in Danzig wohl
um einiges höher waren, hatte er immer noch ein überdurchschnittliches Einkommen.
Er hat mir die Grundsätze eines ehrbaren Kaufmanns beigebracht, die heute wohl meist als veraltet gelten.
Die letzte Buchhalterin meines Vaters, die jetzt in Berlin wohnt und mit meiner Schwester gut befreundet war, sagte mir vor einiger Zeit, dass zwar ein Bankkredit aufgenommen wurde, wenn eine neue Maschine notwendig und nicht genug Bargeld in der Kasse war, dass dieses Darlehen möglichst kurzfristig, aber spätestens innerhalb von 1 1/2 Jahren zurückgezahlt wurde. Mein Vater steckte 1930 sein ganzes Barvermögen in den Aufbau des neuen Werkes.Das mehrere Hektar große Grundstück bekam er auf Erbpacht von einem benachbarten Gutsbesitzer.
Er kaufte oder baute auch kein eigenes Haus, sondern wir wohnten im großen Wohnhaus des Malermeisters Lehmann im ersten Stock.
Neu Bentschen war eine auf dem Reißbrett geplante Siedlung. Es waren meist kleine Reihenhäuser mit großen Gärten dahinter in unterschiedlicher Anordnung. So waren zwischen den Häuserreihen große Gartenflächen und die geraden parallel geführten Straßen verhältnismäßig weit auseinander. Der Ortsmittelpunkt war ein großer rechteckiger Platz, von Wohnstraßen umgeben, mit Rasenflächen, Bänken, Blumenbeeten, Bäumen und Sträuchern. An der Ostseite des Platzes stand das große zweistöckige Schulgebäude, in dem die Volksschule, unsere Gymnasialvorstufe und eine große Turnhalle untergebracht waren. Bahn, Post und Zoll hatten ihre eigenen Wohnstraßen, die Bahnbeamten natürlich in großer Mehrheit. Der Ort bildet ein großes Dreieck, mit Bahnhof, Lokomotivschuppen, ausgedehnten Gleisanlagen und anderen Gebäuden direkt an die lange Tangentenstraße angrenzend.
Das Sägewerk
lag an der Nordostecke des Ortes dicht neben den Gleisanlagen. Die Büro-Baracke stand im Mittelpunkt der Anlage, neben dem Lokomobilen-Haus und der Gatterhalle. Hinter dem riesigen hölzernen Bretterschuppen stand die gemauerte Hobelmaschinen-Halle. Durch beide Hallen führte das Eisenbahn- Anschlussgleis. Davor war der Rundholz- Platz mit der großen Krananlage, deren Ende auch über das Eisenbahn Gleis führte, so dass man mit dem in Kran die Baumstämme von den Güterwaggons abladen konnte. Neben der Gatterhalle wurde auch bald eine große Trocken- Kammer für Bretter gebaut. Das ganze Werksgelände war mit kleinen Bahngleisen durchzogen. Darauf konnte man auf kleinen Loren Bretterlandungen auf den Stapel-Platz im Freigelände und zwischen den Hallen hin und her schieben. Eine herrliche Spielbahn für uns Kinder, aber leider streng verboten(eigentlich).Das Haus des Malermeister`s Lehmann lag auf der anderen Seite der Siedlung, etwa anderthalb Kilometer vom Sägewerk entfernt. Mein Vater fuhr täglich mit dem Fahrrad zum Werk, Sommer und Winter, bei jedem Wetter. Zunächst hatten wir in Neu Bentschen kein Auto und natürlich auch keinen Chauffeur. Bald kaufte mein Vater aber eine DKW Meisterklasse.
2007.08.10, 13:38
by huk
about: bi biographie
bi_in berlin
Obwohl ich in Berlin nur zwei Jahre wohnte, mit meinen Eltern zusammen nur anderthalb Jahre, kann ich mich noch ein viele Ereignisse dort erinnern.
Ilse und ich hatten jeder ein eigenes Zimmer. Einmal nachts wachte ich auf mit einem großen Schreck, weil es draußen blitzte und donnerte und ich Angst hatte vor Gewittern. Aber es war nur ein großes Feuerwerk bei einer Veranstaltung am Funkturm, der gut anderthalb Kilometer von unserm Haus entfernt ist.
Als Neunjähriger hatte ich damals eine etwa 35 cm große ausgestopfte Stoffpuppe:den“Bibabo“, eine Harlekinfigur, die ich auch mit ins Bett nahm, um mich gegen Alpträume zu beschützen.
Unser Haus, ein Eckhaus an der Marathonallee, war 200 m von der U-bahnstation Neu Westend entfernt und ich fuhr gerne mit meiner Mutter zum Einkaufen zum
Wittenbergplatz ins KaDeWe, und wo man damals vom Haupteingang in einen großen Lichthof gelangte. Darin war in der Mitte ein Brunnen aus Mosaiksteinen, in den aus einer kleinen Röhre Oragensaft sprudelte. Aus kleinen Bechern konnte man davon trinken soviel man wollte.- Die Preußenallee hat in der Mitte einen breiten Grünstreifen, an beiden Seiten asphaltierte Autofahrbahnen und daneben breite Bürgersteige. Dienstags und freitags vormittag war auf unserer Straßenseite angefangen an unserem Eckhaus Wochenmarkt, etwa 500 meterlang. Die Stände waren auf dem Bürgersteig und gegenüber an dem Grünstreifen aufgebaut. Die Kunden konnten dann dazwischen entlangflanieren und auf beiden Seiten einkaufen. Natürlich war diese Straßenseite bis Mittag abgesperrt und die andere Fahrbahn für Gegenverkehr freigegeben. War es Bauern, die dort ihre frischen Erzeugnisse feil hielten, aber auch Bäcker, Fleischer und andere Händler. Sooft ich konnte, begleitete ich dort meine Mutter beim einkaufen. Da ich mehrmals die Klasse wechselte, hatte ich nur wenige feste Freunde. Oft spielten Ilse und ich mit zwei Brüdern in unserem Alter, Memi und Lulu . Der Vater war Rechtsanwalt und sie wohnten in der Nähe in einem großen Wohnhaus im zweiten Stock. Sie waren jüdisch, aber damals gab es ja noch nicht die hitlerische Judenverfolgung.
Die Villa in Berlin war viel großräumiger als unsere Wohnung in Danzig. Im Souterrain waren neben Heiz- und Vorratskeller auch die Garage für den Mercedes-Benz, den mein Vater damals hatte, eine kleine Wohnung für den Chauffeur und noch zwei weitere Wohnräume. Hinter der Haustür, zwei Stufen über Straßenebene war ein separates Treppenhaus. Eine Treppe abwärts führte zur Tür in den Souterrainflur, der auch durch eine außen eingebaute Treppe zu erreichen war. Von der Haustür eine Treppe aufwärts war die Eingangstür zur Hochparterrewohnung. Nach einem kleinen Flur mit Toilette war auf der Gartenseite ein kleines Empfangzimmer und dahinter das große Wohnzimmer mit Halbrundvorbau und Panoramafenstern zum Garten. In dem großen Eckzimmer daneben hatte mein Vater ein Alt-Danziger Herrenzimmer mit kunstvollen Schnitzereien aus schwarz gebeiztem Eichenholz (schwere antike Möbel) einrichten lassen. Hinter einer breiten Glastür führte draußen eine 12 stufige, sich nach unten stark verbreiternde Steintreppe mit seitlichen Begrenzungsmauern in den Garten. Auf der Straßenseite der Hochparterrewohnung befand sich hinter der Wohnungstür die Küche mit Nebenräumen, dann ein großes Esszimmer, ein Eckzimmer und zwischen diesem und dem Herrenzimmer an der Außenwand ein Wintergarten, darüber ein großer Balkon im ersten Stock, in dessen Vorderhälfte das Büro untergebracht war. Zwischen Büro und Balkon lagen unsere Familienschlafräume: Elternschlafzimmer, Bad, Ankleideraum, Schrankraum und zwei Kinderzimmer für Ilse und mich. Als Zugang zu unserer „Schlafzimmeretage“ hat meinen Vater in seinem Herrenzimmer eine Wendeltreppe in den oberen Schlafzimmerflur einbauen lassen. Sie war ebenfalls aus schwarz gebeiztem Eichenholz im Alt-Danziger Stil geschnitzt.-Lulu und Memi, mit dunklen Augen und schwarzen Haaren, waren lustige lebhafte kleine deutsche Kinder genau wie Ilse und ich. Nach unserem Wegzug aus Berlin riss der Kontakt ab und wir haben nie wieder etwas von Ihnen gehört.- An den beiden Straßenseiten waren das Grundstück solide eingezäunt: eine kniehohe Sockelmauer aus weißen Sandsteinblöcken, alle 2 m darauf ein viereckiger Pfeiler aus gleichem Material gemauert, etwa mannshoch, mit Messingblech abgedeckt.Zwischen den Pfeilern war ein Zaun aus dunkelbraun lackierten viereckigen Stahlstangen eingemauert. Dicht hinter dem Zaun stand eine gleichhohe Eichenhecke. Die Nachbargrundstücke waren mit einem Maschendrahtzaun abgegrenzt.- Der Heizungskeller lag unter dem im Hochparterre gelegenen Wohnzimmer und hatte eine mit Koks befeuerte Warmwasserzentralheizung. In der Außenwand war eine große Ladeluke, durch den im Herbst die Speditionsarbeiter aus großen Jutesäcken den Koks in den Heizkeller schütteten. Die Hausmeisterfamilie Kaufmann, mit denen meine Eltern gut befreundet waren, wohnten im Parterre eines großen Nachbar-Wohnhauses. Sie bedienten bei uns die Zentralheizung, mähten den Rasen und gibt den im Wind der Schnee. Meine Eltern hielten bis zuletzt selber das große Treppenhaus sauber. Frau K. betreute und bekochte mich auch, als ich alleine im Mansardenzimmer wohnte und die Sexta der Waldschule besuchte.
Ilse und ich hatten jeder ein eigenes Zimmer. Einmal nachts wachte ich auf mit einem großen Schreck, weil es draußen blitzte und donnerte und ich Angst hatte vor Gewittern. Aber es war nur ein großes Feuerwerk bei einer Veranstaltung am Funkturm, der gut anderthalb Kilometer von unserm Haus entfernt ist.
Als Neunjähriger hatte ich damals eine etwa 35 cm große ausgestopfte Stoffpuppe:den“Bibabo“, eine Harlekinfigur, die ich auch mit ins Bett nahm, um mich gegen Alpträume zu beschützen.
Unser Haus, ein Eckhaus an der Marathonallee, war 200 m von der U-bahnstation Neu Westend entfernt und ich fuhr gerne mit meiner Mutter zum Einkaufen zum
Wittenbergplatz ins KaDeWe, und wo man damals vom Haupteingang in einen großen Lichthof gelangte. Darin war in der Mitte ein Brunnen aus Mosaiksteinen, in den aus einer kleinen Röhre Oragensaft sprudelte. Aus kleinen Bechern konnte man davon trinken soviel man wollte.- Die Preußenallee hat in der Mitte einen breiten Grünstreifen, an beiden Seiten asphaltierte Autofahrbahnen und daneben breite Bürgersteige. Dienstags und freitags vormittag war auf unserer Straßenseite angefangen an unserem Eckhaus Wochenmarkt, etwa 500 meterlang. Die Stände waren auf dem Bürgersteig und gegenüber an dem Grünstreifen aufgebaut. Die Kunden konnten dann dazwischen entlangflanieren und auf beiden Seiten einkaufen. Natürlich war diese Straßenseite bis Mittag abgesperrt und die andere Fahrbahn für Gegenverkehr freigegeben. War es Bauern, die dort ihre frischen Erzeugnisse feil hielten, aber auch Bäcker, Fleischer und andere Händler. Sooft ich konnte, begleitete ich dort meine Mutter beim einkaufen. Da ich mehrmals die Klasse wechselte, hatte ich nur wenige feste Freunde. Oft spielten Ilse und ich mit zwei Brüdern in unserem Alter, Memi und Lulu . Der Vater war Rechtsanwalt und sie wohnten in der Nähe in einem großen Wohnhaus im zweiten Stock. Sie waren jüdisch, aber damals gab es ja noch nicht die hitlerische Judenverfolgung.
Die Villa in Berlin war viel großräumiger als unsere Wohnung in Danzig. Im Souterrain waren neben Heiz- und Vorratskeller auch die Garage für den Mercedes-Benz, den mein Vater damals hatte, eine kleine Wohnung für den Chauffeur und noch zwei weitere Wohnräume. Hinter der Haustür, zwei Stufen über Straßenebene war ein separates Treppenhaus. Eine Treppe abwärts führte zur Tür in den Souterrainflur, der auch durch eine außen eingebaute Treppe zu erreichen war. Von der Haustür eine Treppe aufwärts war die Eingangstür zur Hochparterrewohnung. Nach einem kleinen Flur mit Toilette war auf der Gartenseite ein kleines Empfangzimmer und dahinter das große Wohnzimmer mit Halbrundvorbau und Panoramafenstern zum Garten. In dem großen Eckzimmer daneben hatte mein Vater ein Alt-Danziger Herrenzimmer mit kunstvollen Schnitzereien aus schwarz gebeiztem Eichenholz (schwere antike Möbel) einrichten lassen. Hinter einer breiten Glastür führte draußen eine 12 stufige, sich nach unten stark verbreiternde Steintreppe mit seitlichen Begrenzungsmauern in den Garten. Auf der Straßenseite der Hochparterrewohnung befand sich hinter der Wohnungstür die Küche mit Nebenräumen, dann ein großes Esszimmer, ein Eckzimmer und zwischen diesem und dem Herrenzimmer an der Außenwand ein Wintergarten, darüber ein großer Balkon im ersten Stock, in dessen Vorderhälfte das Büro untergebracht war. Zwischen Büro und Balkon lagen unsere Familienschlafräume: Elternschlafzimmer, Bad, Ankleideraum, Schrankraum und zwei Kinderzimmer für Ilse und mich. Als Zugang zu unserer „Schlafzimmeretage“ hat meinen Vater in seinem Herrenzimmer eine Wendeltreppe in den oberen Schlafzimmerflur einbauen lassen. Sie war ebenfalls aus schwarz gebeiztem Eichenholz im Alt-Danziger Stil geschnitzt.-Lulu und Memi, mit dunklen Augen und schwarzen Haaren, waren lustige lebhafte kleine deutsche Kinder genau wie Ilse und ich. Nach unserem Wegzug aus Berlin riss der Kontakt ab und wir haben nie wieder etwas von Ihnen gehört.- An den beiden Straßenseiten waren das Grundstück solide eingezäunt: eine kniehohe Sockelmauer aus weißen Sandsteinblöcken, alle 2 m darauf ein viereckiger Pfeiler aus gleichem Material gemauert, etwa mannshoch, mit Messingblech abgedeckt.Zwischen den Pfeilern war ein Zaun aus dunkelbraun lackierten viereckigen Stahlstangen eingemauert. Dicht hinter dem Zaun stand eine gleichhohe Eichenhecke. Die Nachbargrundstücke waren mit einem Maschendrahtzaun abgegrenzt.- Der Heizungskeller lag unter dem im Hochparterre gelegenen Wohnzimmer und hatte eine mit Koks befeuerte Warmwasserzentralheizung. In der Außenwand war eine große Ladeluke, durch den im Herbst die Speditionsarbeiter aus großen Jutesäcken den Koks in den Heizkeller schütteten. Die Hausmeisterfamilie Kaufmann, mit denen meine Eltern gut befreundet waren, wohnten im Parterre eines großen Nachbar-Wohnhauses. Sie bedienten bei uns die Zentralheizung, mähten den Rasen und gibt den im Wind der Schnee. Meine Eltern hielten bis zuletzt selber das große Treppenhaus sauber. Frau K. betreute und bekochte mich auch, als ich alleine im Mansardenzimmer wohnte und die Sexta der Waldschule besuchte.
2007.08.01, 19:28
by huk
about: bi biographie
bi_Sägewerk des Vaters
In Berlin nach dem Umzug ging ich in die vierte Klasse der großen Volksschule nah am Reichskanzlerplatz. Mein Vater hatte eine zweistöckige Villa in der Preußen-Allee 33(Charlottenburg) mit großem Garten gekauft. Zuerst bewohnten wir die ganze Villa, nur in einem Teil des Obergeschosses war das Firmen-Büro eingerichtet. Zur gleichen Zeit baute er ein großes modernes Hobel- und Säge-Werk in Neu Bentschen an der Korridorgrenze 180 km östlich von Berlin.
Dort hatte der deutsche Staat 1921, nach Festlegung der neuen Grenze, an der großen Bahnlinie Berlin-Frankfurt/Oder-Posen-Warschau auf der grünen Wiese einen großen neuen Bahnhof gebaut, da die überwiegend deutsche Stadt Bentschen mit Bahnhof, die noch von deutschen Frei-Korps gegen polnische Miliztruppen erfolgreich verteidigt worden war, im Zuge einer geraden Grenzziehung polnisch wurde. Neben dem Bahnhof wurde ein neuer Ort gebaut. Die etwa 2000 Einwohner waren meist deutsche Bahn-, Post und Zoll- Beamte. Es gab auch eine große evangelische und eine kleine katholische Kirche, Einkaufsläden, Handwerker, Spediteure und eine Autowerkstatt. Keiner von denen wollte natürlich im Sägewerk arbeiten. So holte mein Vater fast alle seine Arbeiter aus dem 3 km nördlich gelegenen polnischen Nachbardorf Groß-Dammer, wo alle Einwohner auch vor dem Krieg in der Schule schon deutsch gelernt hatten.- Als mein Vater sein Geschäft in Danzig aufgab, hatte er zunächst wohl gehofft, mit der neuen Produktionsanlage in Neu Bentschen, sein Holzhandelsgeschäft von Berlin aus über ganz Deutschland ausweiten zu können. Bald aber merkte er, daß auch hier die Rezession fortschritt.
Schon im Herbst 1930 verlegte er das Büro nach Neu Bentschen und im Frühsommer 1931 auch unseren Wohnsitz. Da ich damals aber schon die Sexta in der Herder Schule besuchte, musste ich weiter ins Realgymnasium der Wald-Schule gehen, da es in Neu Bentschen kein humanistisches Gymnasium gab, dort auch das Schuljahr bis Ostern 1932 vollenden. Bis dahin wohnte ich in Berlin in der kleinen Mansarden- Wohnung unseres Hauses,da die beiden großen Wohnungen darunter schon vermietet waren.
Dort hatte der deutsche Staat 1921, nach Festlegung der neuen Grenze, an der großen Bahnlinie Berlin-Frankfurt/Oder-Posen-Warschau auf der grünen Wiese einen großen neuen Bahnhof gebaut, da die überwiegend deutsche Stadt Bentschen mit Bahnhof, die noch von deutschen Frei-Korps gegen polnische Miliztruppen erfolgreich verteidigt worden war, im Zuge einer geraden Grenzziehung polnisch wurde. Neben dem Bahnhof wurde ein neuer Ort gebaut. Die etwa 2000 Einwohner waren meist deutsche Bahn-, Post und Zoll- Beamte. Es gab auch eine große evangelische und eine kleine katholische Kirche, Einkaufsläden, Handwerker, Spediteure und eine Autowerkstatt. Keiner von denen wollte natürlich im Sägewerk arbeiten. So holte mein Vater fast alle seine Arbeiter aus dem 3 km nördlich gelegenen polnischen Nachbardorf Groß-Dammer, wo alle Einwohner auch vor dem Krieg in der Schule schon deutsch gelernt hatten.- Als mein Vater sein Geschäft in Danzig aufgab, hatte er zunächst wohl gehofft, mit der neuen Produktionsanlage in Neu Bentschen, sein Holzhandelsgeschäft von Berlin aus über ganz Deutschland ausweiten zu können. Bald aber merkte er, daß auch hier die Rezession fortschritt.
Schon im Herbst 1930 verlegte er das Büro nach Neu Bentschen und im Frühsommer 1931 auch unseren Wohnsitz. Da ich damals aber schon die Sexta in der Herder Schule besuchte, musste ich weiter ins Realgymnasium der Wald-Schule gehen, da es in Neu Bentschen kein humanistisches Gymnasium gab, dort auch das Schuljahr bis Ostern 1932 vollenden. Bis dahin wohnte ich in Berlin in der kleinen Mansarden- Wohnung unseres Hauses,da die beiden großen Wohnungen darunter schon vermietet waren.
2007.07.30, 16:46
by huk
about: bi biographie
bi_christkind
Da wir in Danzig keine Verwandtschaft hatten und schon 1929 nach Berlin zogen,
kann ich mich nur an die Kinderfreundschaft mit den drei Kindern der Familie Stahr erinnern,
und von denen lebt nur noch die Zwillingsschwester Lilli Stahr seit 40 Jahren in Melbourne in Australien.-Schon in Danzig fuhr ich mit meiner Mutter gerne mit der Straßenbahn in die Innenstadt zum Einkaufen. An der Mottlau gab es frische Fische am Kai direkt aus den Fischerbooten. Am liebsten aber ging ich mit in den großen Schokolade-Laden Mix in der Wollwebergasse. Meine schönste Erinnerung an Danzig aber ist der Heilig Abend bei uns zuhause im Wohnzimmer. Mindestens an 5 kann ich mich wohl bewusst erinneren, denn der letzte war 1928. Nach dem Abendessen mussten wir leise im Flur warten bis das Glöckchen ertönte und die Wohnzimmertür aufging. Mein Vater schmückte den Baum mit richtigen Kerzen die dann leuchteten und mit Äpfeln und Nüssen und selbst gebackenem Weihnachtsgebäck an die Zweige gehängt. Meine Mutter spielte auf dem Flügel „Oh Du Fröhliche“ und wir beiden Kinder mussten jeder ein Weihnachtsgedicht aufsagen. Dann konnte jeder seinen Gabentisch stürmen auch Lokadia, die immer mit uns feierte. Jeder bekam auch einen großen bunten Teller mit Pfefferkuchen und vielen anderen Süßigkeiten. Meiner war oft nach mehreren Wochen noch nicht leer gegessen und ich musste ihn dann verstecken damit meine Schwester Ilse nicht darin naschte. Manchmal kamen auch Oma und Tante Gretel aus Breslau über Weihnachten zu Besuch. Noch heute sehe ich in meiner Fantasie das Christkind, einen kleinen goldenen Engel, um den Weihnachtsbaum fliegen.
kann ich mich nur an die Kinderfreundschaft mit den drei Kindern der Familie Stahr erinnern,
und von denen lebt nur noch die Zwillingsschwester Lilli Stahr seit 40 Jahren in Melbourne in Australien.-Schon in Danzig fuhr ich mit meiner Mutter gerne mit der Straßenbahn in die Innenstadt zum Einkaufen. An der Mottlau gab es frische Fische am Kai direkt aus den Fischerbooten. Am liebsten aber ging ich mit in den großen Schokolade-Laden Mix in der Wollwebergasse. Meine schönste Erinnerung an Danzig aber ist der Heilig Abend bei uns zuhause im Wohnzimmer. Mindestens an 5 kann ich mich wohl bewusst erinneren, denn der letzte war 1928. Nach dem Abendessen mussten wir leise im Flur warten bis das Glöckchen ertönte und die Wohnzimmertür aufging. Mein Vater schmückte den Baum mit richtigen Kerzen die dann leuchteten und mit Äpfeln und Nüssen und selbst gebackenem Weihnachtsgebäck an die Zweige gehängt. Meine Mutter spielte auf dem Flügel „Oh Du Fröhliche“ und wir beiden Kinder mussten jeder ein Weihnachtsgedicht aufsagen. Dann konnte jeder seinen Gabentisch stürmen auch Lokadia, die immer mit uns feierte. Jeder bekam auch einen großen bunten Teller mit Pfefferkuchen und vielen anderen Süßigkeiten. Meiner war oft nach mehreren Wochen noch nicht leer gegessen und ich musste ihn dann verstecken damit meine Schwester Ilse nicht darin naschte. Manchmal kamen auch Oma und Tante Gretel aus Breslau über Weihnachten zu Besuch. Noch heute sehe ich in meiner Fantasie das Christkind, einen kleinen goldenen Engel, um den Weihnachtsbaum fliegen.
2007.07.29, 17:05
by huk
about: bi biographie
bi_gefährte
BI. Unsere Haushaltshilfe hieß Lokadia, eine fleißige freundliche junge Frau. Wahrscheinlich war sie, wie evtl.auch Günter Grass und viele andere damalige deutschsprachige Danziger Bürger, auch einige meiner Freunde, kaschubischer Herkunft. Sie wohnte in einem Mansardenzimmer in unserem Haus. Die Kaschuben waren ein alter Volksstamm (mit den Masuren verwandt)
der in der Kaschubei siedelte, dem nördlichsten Zipfel des späteren Westpreußens zwischen Hinterpom geschlafen mern,der Ostsee und Danziger Bucht.- Meine Eltern machten von Danzig aus zwei lange Seereisen: die erste nach Madeira und zu den Kanarischen Inseln; dabei lernten sie Friedel Stützner geb.Märklin, mit der meine Mutter dann lange befreundet war,kennen. Natürlich bekam ich später auch eine Märklin-Eisenbahn. Die zweite Seereise, zwei Jahre später, ging zum Nordkapp. Wir beiden kleinen Kinder wurden jedes mal zuhause von unserer Schwester Bertha und Lokadia betreut.
Im Sommer 1925 bekam ich einen Holländer. Das war ein 4-Rad–Fahrzeug aus Holz und bestand aus einem großen langen Brett als Sitz für zwei Kinder. Die Vorder- Achse konnte der Fahrer mit den Füßen lenken. Darüber ragte eine etwa 60 cm lange Stange mit zwei waagerechten Griffen aus einem Loch im Brett. Der Fahrer konnte die Stange um etwa 45° nach vorn drücken und dann mit aller Kraft nach hinten ziehen um etwa 90°, wodurch mit einem Gestänge unter dem Sitzbrett die Hinterachse angetrieben wurde.(Vgl.eine hand - betriebene Eisenbahn-Draisine.)
An der Straßenseite unseres Hauses war ein kleiner eingezäunter Vorgarten. Auf der Rückseite war am Haus entlang ein etwa 60 m langer Steinplattenweg bis zum Nebeneingang an der Querstraße vor dem Krankenhaus. Dort trainierte ich den ganzen Sommer über als Holländer Selbstfahrer. Falls sie nicht zu sehr schrie, durfte meine kleine Schwester auf dem Rücksitz sogar mitfahren.
Im Frühjahr 1925 fuhr die ganze Familie einschließlich Schwester Bertha nach Meran. Dort wohnten wir in einer vornehmen Pension. Ilse und ich bekamen von einer älteren Dame eine wunderschöne Teepuppe mit einem gelben seidenen Kleid geschenkt weil wir in „so artig“ waren. Ostern 1926 bekam ich mein erstes Fahrrad.
An dem sonnigen Sonntag morgen machten wir einen Spaziergang mit der ganzen Familie zu der Grundschule Zigankenberg, wo ich auch zwei Wochen später eingeschult wurde. Dahinter begann ein fester Feldweg. Ich setzte mich stolz auf mein neues Radl und mein Vater hielt mich hinter meinem Rücken am Sattel fest. Ich trat in die Pedale, immer schneller, bis ich merkte, daß mein Vater längst nicht mehr hinter mir war. Drei Jahre lang besuchte ich dann die Volksschule Zigankenberg. Zu Ostern 1929 sollte ich in die Sexta des Gymnasiums wechseln können. Leider zogen wir dann nach Berlin und da in der Freien Stadt Danzig die Schulgesetze wohl nicht so streng waren, musste ich in Berlin auch noch das vierte Jahr die Volksschule besuchen. In Danzig hatte mein Vater immer ein großes Auto mit einem Chauffeur. Die Garage war an der rechten Seite des Hauses mit der Ausfahrt zur Delbrück- allee. Nach einem Mercedes hatte er ein großes offenes Auto, ich glaube es war ein Packard, und in der Garage war ein Kran an den Decke, mit dem der Chauffeur bei Regen oder im Winter ein großes Oberteil auf die offene Karosse montieren konnte so dass daraus eine Limousine entstand. Einmal nahmen wir an einer ADAC Sternfahrt zu dem Kurort Cadinen an der Frischen Nehrung teil. Auf der nicht asphaltierten Straße entstand hinter unserem Auto eine große Staubwolke. Da bemerkte mein Vater hinter uns das Auto eines bekannten älteren Herren, in der alleine fuhr. Er bat den Chauffeur das Auto überholen zu lassen, damit dieser nicht in der Staubwolke fahren musste. In Cadinen sah ich einen jungen Mann, der im Rollstuhl fuhr. Man sagte mir, dass er an Kinderlähmung leide. Er trug einen eleganten Anzug und schien sehr lebenslustig zu sein, was mir sehr imponierte.
Im Frühjahr 1929 fuhren wir zu einem zweiwöchigen Winterurlaub nach Berwang in Tirol.
Dort lernte ich Ski laufen, fast genauso schnell wie das Rad fahren . Wir fuhren von dort aus auch mit der Seilbahn auf die Zugspitze, die ja früher gebaut wurde als die deutsche Seilbahn.- Ich kann mich auch noch an eine Fahrt im offenen Auto von Danzig nach Heidemühl erinneren, es muss wohl im Sommer 1925 gewesen sein, wo damals auch meine Großeltern wohnten. Mein Opa hatte einen großen Gaul auf dem ich reiten durfte während er es am Zügel führte. Wir fuhren auch in einem Boot auf den Mühlteich um zu fischen. Als ein Fisch an meiner Angel biß, zog ich so kräftig an der Leine,dass ich über den Bootsrand rücklings ins Wasser fiel. Außer einem kleinen Schreck ist mir aber nichts passiert da ich sofort von kräftigen Männerhänden wieder ins Boot gehievt wurde. Und es war warm genug, daß ich auch keinen Schnupfen kriegte.
Im Sommer fuhren wir oft an den Strand am Meer und badeten dort wenn das Wetter warm genug war. Mein Vater war Mitglied im Yacht Club und segelte oft, aber er hatte kein eigenes Boot.- Ich kann mich noch an einen ganz kalten Winter erinneren, als riesige Eisschollen wie ein Wall meterhoch an den Strand gespült waren, so das man gar nicht mehr das Wasser sehen konnte.-
der in der Kaschubei siedelte, dem nördlichsten Zipfel des späteren Westpreußens zwischen Hinterpom geschlafen mern,der Ostsee und Danziger Bucht.- Meine Eltern machten von Danzig aus zwei lange Seereisen: die erste nach Madeira und zu den Kanarischen Inseln; dabei lernten sie Friedel Stützner geb.Märklin, mit der meine Mutter dann lange befreundet war,kennen. Natürlich bekam ich später auch eine Märklin-Eisenbahn. Die zweite Seereise, zwei Jahre später, ging zum Nordkapp. Wir beiden kleinen Kinder wurden jedes mal zuhause von unserer Schwester Bertha und Lokadia betreut.
Im Sommer 1925 bekam ich einen Holländer. Das war ein 4-Rad–Fahrzeug aus Holz und bestand aus einem großen langen Brett als Sitz für zwei Kinder. Die Vorder- Achse konnte der Fahrer mit den Füßen lenken. Darüber ragte eine etwa 60 cm lange Stange mit zwei waagerechten Griffen aus einem Loch im Brett. Der Fahrer konnte die Stange um etwa 45° nach vorn drücken und dann mit aller Kraft nach hinten ziehen um etwa 90°, wodurch mit einem Gestänge unter dem Sitzbrett die Hinterachse angetrieben wurde.(Vgl.eine hand - betriebene Eisenbahn-Draisine.)
An der Straßenseite unseres Hauses war ein kleiner eingezäunter Vorgarten. Auf der Rückseite war am Haus entlang ein etwa 60 m langer Steinplattenweg bis zum Nebeneingang an der Querstraße vor dem Krankenhaus. Dort trainierte ich den ganzen Sommer über als Holländer Selbstfahrer. Falls sie nicht zu sehr schrie, durfte meine kleine Schwester auf dem Rücksitz sogar mitfahren.
Im Frühjahr 1925 fuhr die ganze Familie einschließlich Schwester Bertha nach Meran. Dort wohnten wir in einer vornehmen Pension. Ilse und ich bekamen von einer älteren Dame eine wunderschöne Teepuppe mit einem gelben seidenen Kleid geschenkt weil wir in „so artig“ waren. Ostern 1926 bekam ich mein erstes Fahrrad.
An dem sonnigen Sonntag morgen machten wir einen Spaziergang mit der ganzen Familie zu der Grundschule Zigankenberg, wo ich auch zwei Wochen später eingeschult wurde. Dahinter begann ein fester Feldweg. Ich setzte mich stolz auf mein neues Radl und mein Vater hielt mich hinter meinem Rücken am Sattel fest. Ich trat in die Pedale, immer schneller, bis ich merkte, daß mein Vater längst nicht mehr hinter mir war. Drei Jahre lang besuchte ich dann die Volksschule Zigankenberg. Zu Ostern 1929 sollte ich in die Sexta des Gymnasiums wechseln können. Leider zogen wir dann nach Berlin und da in der Freien Stadt Danzig die Schulgesetze wohl nicht so streng waren, musste ich in Berlin auch noch das vierte Jahr die Volksschule besuchen. In Danzig hatte mein Vater immer ein großes Auto mit einem Chauffeur. Die Garage war an der rechten Seite des Hauses mit der Ausfahrt zur Delbrück- allee. Nach einem Mercedes hatte er ein großes offenes Auto, ich glaube es war ein Packard, und in der Garage war ein Kran an den Decke, mit dem der Chauffeur bei Regen oder im Winter ein großes Oberteil auf die offene Karosse montieren konnte so dass daraus eine Limousine entstand. Einmal nahmen wir an einer ADAC Sternfahrt zu dem Kurort Cadinen an der Frischen Nehrung teil. Auf der nicht asphaltierten Straße entstand hinter unserem Auto eine große Staubwolke. Da bemerkte mein Vater hinter uns das Auto eines bekannten älteren Herren, in der alleine fuhr. Er bat den Chauffeur das Auto überholen zu lassen, damit dieser nicht in der Staubwolke fahren musste. In Cadinen sah ich einen jungen Mann, der im Rollstuhl fuhr. Man sagte mir, dass er an Kinderlähmung leide. Er trug einen eleganten Anzug und schien sehr lebenslustig zu sein, was mir sehr imponierte.
Im Frühjahr 1929 fuhren wir zu einem zweiwöchigen Winterurlaub nach Berwang in Tirol.
Dort lernte ich Ski laufen, fast genauso schnell wie das Rad fahren . Wir fuhren von dort aus auch mit der Seilbahn auf die Zugspitze, die ja früher gebaut wurde als die deutsche Seilbahn.- Ich kann mich auch noch an eine Fahrt im offenen Auto von Danzig nach Heidemühl erinneren, es muss wohl im Sommer 1925 gewesen sein, wo damals auch meine Großeltern wohnten. Mein Opa hatte einen großen Gaul auf dem ich reiten durfte während er es am Zügel führte. Wir fuhren auch in einem Boot auf den Mühlteich um zu fischen. Als ein Fisch an meiner Angel biß, zog ich so kräftig an der Leine,dass ich über den Bootsrand rücklings ins Wasser fiel. Außer einem kleinen Schreck ist mir aber nichts passiert da ich sofort von kräftigen Männerhänden wieder ins Boot gehievt wurde. Und es war warm genug, daß ich auch keinen Schnupfen kriegte.
Im Sommer fuhren wir oft an den Strand am Meer und badeten dort wenn das Wetter warm genug war. Mein Vater war Mitglied im Yacht Club und segelte oft, aber er hatte kein eigenes Boot.- Ich kann mich noch an einen ganz kalten Winter erinneren, als riesige Eisschollen wie ein Wall meterhoch an den Strand gespült waren, so das man gar nicht mehr das Wasser sehen konnte.-
2007.07.27, 20:47
by huk
about: bi biographie
bi_bilderstürmer
Huk wurde am 22.5.1921 in Danzig-Langfuhr geboren, im „Storchennest“, einer privaten Entbindungsanstalt für wohlhabende Familien. Da das väterliche Geschäft seit Kriegsende stark florierte, war HUKs Mutter durch eine ständige Haushaltshilfe entlastet, nach Geburt der Tochter Ilse Dorothea am 3.4.1924 auch durch eine Kinderschwester, und konnte sich einer standesgemäßen Ausstattung der gesamten Wohnungs-Einrichtung widmen. Wir wohnten in einem kleinen Villen Vorort in der Delbrückallee 6,einer Querstraße der Langen Allee, die vom Hauptbahnhof nach Langfuhr und dann weiter über Oliva nach Zoppot führte. Vor dem großen zweistöckigen Wohnhaus, dass mein Vater gekauft hatte, war ein Straßenrondell und schräg gegenüber der Haupteingang zum großen städtischen Krankenhaus. Unsere große Fünf- Zimmerwohnung mit Küche und Bad lag im Hochparterre. Im zweiten Stock war das Büro meines Vaters und die beiden anderen Wohnungen waren vermietet. Als ich 8 ½ Jahre alt war zogen wir nach Berlin und kann mich deswegen nicht mehr allzu viel an meine erste Heimat erinnern. Wir hatten einen großen Schäferhund Rolf und wohl mehr durch Erzählungen weiß ich, dass ich eines Tages spurlos verschwunden war. Nach langem Suchen fand man mich hinter einer Tür im dunklen Küchen-Flur, wo ich mich mit den Knochen in seiner Freßschüssel vergnügte. Ich war gerade ein Jahr alt und wurde sofort im Krankenhaus gründlich untersucht. Der siebenjährige Rolf wurde bald eingeschläfert. Später hatten wir dann nur noch einen Dackel. Gut erinnern kann ich mich noch an den nächsten Unfall, als ich etwa drei Jahre alt war. Im Wintergarten stand ein kleines Tischschränkchen, darauf stand eine etwa 35 cm hohe wunderschöne Porzellanfigur, eine anmutige Tänzerin in blauem gold- geränderten Gewand, mein Lieblings Bild. Ich wollte mich an dem Schränkchen hochziehen, um es näher zu betrachten. Das Schränkchen kippte um und die Figur zerbrach auf meinem Kopf. Ein Splitter ritzte meine Schläfe und ich begann stark zu bluten. Mein Onkel Kurt war zufällig zu Besuch und trug mich sofort über die Straße ins Krankenhaus, wo die Blutung gestillt wurde. Ich war furchtbar traurig, dass ich mein Lieblings-Bild zerstört hatte.
GK. Kinder sind tiefster Sinn und höchstes Glück für uns Menschen.
GK. Kinder sind tiefster Sinn und höchstes Glück für uns Menschen.
2007.07.24, 11:53
by huk
about: bi biographie
bi_vater otto k.
Vater Otto K.- Als junger Mann ging er in den die nächste deutsche Großstadt Breslau.
Nach dem Militärdienst lernte und arbeitete er dort als Holzkaufmann. Im Ersten Weltkrieg als Infanterist an der Front in Frankreich wurde er im Sommer 1916 schwer verwundet(Ischias-Nerv Durchschuß li. Oberschenkel)und nach dem Krankenhaus-Aufenthalt als nicht mehr kriegsverwendungsfähig entlassen. 1917 ging er mit seiner Freundin, meiner Mutter, nach Danzig, wo sie am 26.4.1919 heirateten. Er hatte dort ein eigenes Holz-Exportgeschäft gegründet und in der Tucheler Heide, einem großen Waldgebiet südlich von Danzig drei kleine Sägewerke gepachtet. Von dort exportierte er über den Danziger Hafen per Schiff Schnittholz (Bretter) nach England. Eines der Sägewerke, Heidemühl, zu dem ein großes Wohnhaus, ein Teich und eine Wassermühle gehörte ,kaufte er Mitte der 20.Jahre
und holte seine Eltern dorthin, wo sie 1930 kurz nacheinander starben. 1925 brach eine Eulen(Baumkäfer)fraß-Katastrophe in den Waldgebieten Westpreußen (seit 1920 zu Polen gehörend) aus, wodurch die Rohstoff basis der Sägewerke verringert und damit auch das väterliche Geschäft behindert wurde.
Da der Ostteil Westpreußens (östlich der Weichsel und Nogat) überwiegend deutsch war, wurde er bei der Festlegung der Korridorgrenze, der neuen Staatsgrenze zwischen Deutschland und Polen, der Provinz Ostpreußen zugeschlagen, die ja Deutsch blieb. Die große Hafenstadt Danzig und die Weichsel Mündung waren zwar auch überwiegend deutsch -- aber der neue polnische Staat beanspruchte Nutzungsrechte in der Hafenstadt. Nur die Zoll- und die Posthoheit wurde dem polnischen Staat übertragen, wodurch auch das väterliche Geschäft behindert wurde. Aber Polen erhob vollen Anspruch auf die große deutsche Ostsee- Hafenstadt, und so wurde vom Völkerbund in Genf (Vorgänger der UNO) die „ Freie Stadt Danzig“ geschaffen und am 21.3.1921 ihre Unabhängigkeit garantiert, ein künstlicher Kleinstaat im Mündungsdelta zwischen Weichsel und Nogat mit deutschsprachiger Bevölkerung, fast halb so groß wie Luxemburg.
Nach dem Militärdienst lernte und arbeitete er dort als Holzkaufmann. Im Ersten Weltkrieg als Infanterist an der Front in Frankreich wurde er im Sommer 1916 schwer verwundet(Ischias-Nerv Durchschuß li. Oberschenkel)und nach dem Krankenhaus-Aufenthalt als nicht mehr kriegsverwendungsfähig entlassen. 1917 ging er mit seiner Freundin, meiner Mutter, nach Danzig, wo sie am 26.4.1919 heirateten. Er hatte dort ein eigenes Holz-Exportgeschäft gegründet und in der Tucheler Heide, einem großen Waldgebiet südlich von Danzig drei kleine Sägewerke gepachtet. Von dort exportierte er über den Danziger Hafen per Schiff Schnittholz (Bretter) nach England. Eines der Sägewerke, Heidemühl, zu dem ein großes Wohnhaus, ein Teich und eine Wassermühle gehörte ,kaufte er Mitte der 20.Jahre
und holte seine Eltern dorthin, wo sie 1930 kurz nacheinander starben. 1925 brach eine Eulen(Baumkäfer)fraß-Katastrophe in den Waldgebieten Westpreußen (seit 1920 zu Polen gehörend) aus, wodurch die Rohstoff basis der Sägewerke verringert und damit auch das väterliche Geschäft behindert wurde.
Da der Ostteil Westpreußens (östlich der Weichsel und Nogat) überwiegend deutsch war, wurde er bei der Festlegung der Korridorgrenze, der neuen Staatsgrenze zwischen Deutschland und Polen, der Provinz Ostpreußen zugeschlagen, die ja Deutsch blieb. Die große Hafenstadt Danzig und die Weichsel Mündung waren zwar auch überwiegend deutsch -- aber der neue polnische Staat beanspruchte Nutzungsrechte in der Hafenstadt. Nur die Zoll- und die Posthoheit wurde dem polnischen Staat übertragen, wodurch auch das väterliche Geschäft behindert wurde. Aber Polen erhob vollen Anspruch auf die große deutsche Ostsee- Hafenstadt, und so wurde vom Völkerbund in Genf (Vorgänger der UNO) die „ Freie Stadt Danzig“ geschaffen und am 21.3.1921 ihre Unabhängigkeit garantiert, ein künstlicher Kleinstaat im Mündungsdelta zwischen Weichsel und Nogat mit deutschsprachiger Bevölkerung, fast halb so groß wie Luxemburg.
2007.07.18, 19:22
by huk
about: bi biographie
bi_domainenpaechter
Mein Vater Otto Koschmieder,er hatte 2 ältere Schwestern, wurde am 27. April 1886 in Kamillenthal, Kreis Schildberg, Provinz Posen geboren. Dort waren seine Eltern Domainenen-Pächter. Domänen waren grosse preussisch-deutsche Staatsgüter,die man nach 1871 im deutschen Kaiserreich in kleine Bauernhöfe aufteilte und deutschen Bauern in Erbpacht übergab.
