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2006.12.03, 16:45
Herbst=Frühling

Hallo Allerseits,
vorab erstmal sorry, dass ich in letzter Zeit so faul war und Euch nicht wirklich über das was so passiert ist informiert habe. Auf der anderen Seite, habe ich jetzt auch wirklich ein bisschen was, über das ich schreiben und erzählen kann - hab mich ja schließlich mehr als einen Monat lang nicht gemeldet.
Anfang meiner 8. Woche hab ich mich das letzte Mal gemeldet. Da war die Welt ja noch in Ordnung ;). Damals gab es noch fast immer Wind, warme Sonnenstrahlen und ganz wichtig: keine Zeitumstellung. Diese letzte Woche haben wir daher dementsprechend genutzt und haben das längere Tageslicht für kleine - sogenannte 'desperate action sessions' - nach der Uni noch genutzt. Die paar Bilder hier z.B. entstanden bei fast keinem Wind im schwindenden Tageslicht am Stadtstrand von Cádiz.



Das Wochenende wurde jedoch Levante angemeldet, der allerdings furchtbar böig und stark war. So wurde nicht viel aus Wassersport und wir hielten den üblichen Strandtratsch mit den anderen Kitern am Strand. So lernten wir Niko kennen. Niko war wie wir vor einem Jahr Sprachschüler in der Spanischschule von Tarifa und auch sonst ein ganz spannender Zeitgenosse. So kam es dann, dass er uns mit nach Cádiz begleitete und wir abends zusammen die Stadt unsicher machten. Doch Irene konnte sich es nicht nehmen lassen und genoss das Abendlicht und die sauberen Wellen.


Der Herbst scheint hier langsam angekommen zu sein. Wobei die Frage wirklich berechtig sein muss, ob hier der Herbst nicht viel mehr Frühling bedeutet. Seit einigen Wochen verwandelt sich die verbrannte Landschaft hier in grüne Hügel die vielmehr an Neuseeland als an Südspanien erinnern. (siehe Foto ganz oben).
Neben diesem Wochenendprogramm wurde die Uni auch langsam anspruchsvoller bzw. verlangte mehr Arbeitseinsatz für Präsentationen, Hausaufgaben und Schnelltests. Alles in allem sind die Fächer jedoch immer noch einfach und machbar - selbst auf Spanisch. Dieses wird ja schließlich auch immer besser, auch wenn man manchmal Tage hat an denen sich die Zunge verknotet hat und einem die einfachsten Worte nicht mehr einfallen. In zwei Wochen geht unser Sprachkurs hier an der Uni zu Ende und so heißt es zur Zeit die komischsten Sonderregelungen der Subjuntivos zu pauken (einer Verbform die von Spaniern und Franzosen erfunden wurde, um Ausländern, Schülern und Studenten das Erlernen der Sprachen zu verkomplizieren ;) ).
In Woche 11. - also Anfang November bekamen wir Besuch von drei Freunden aus Bamberg die ebenfalls das Kitefieber gepackt hat. Leider war der Wind nicht ganz so perfekt, aber im Gegensatz zu der Woche vorher und den Wochen danach überhaupt vorhanden. So genossen wir z.B. die unglaubliche Kulisse eines Spots namens Palmones. Direkt in der (Hafen)Bucht von Algeciras gelegen, mit Blick auf den imposanten Felsen von Gibraltar und die vor Anker liegenden Hochseetanker. Leider hatte ich meine Fotokamera nicht mit dabei - aber das nächste Mal wenn wir dort sind, reiche ich die Bilder nach. Die Woche war echt lustig und ich glaube wir hatten alle eine Menge Spaß.
Doch leider sollte die gute Stimmung nicht ganz so lange anhalten wie geplant. Am Samstag den 11.11.- fast pünktlich zum Faschingsanfang - durften wir uns mit gelben Warnwesten verkleiden, da uns ein Autofahrer übersehen hatte, uns die Vorfahrt genommen und gerammt hatte. Gott sei Dank ist Niemandem etwas Schlimmeres passiert. Dumm nur, dass nicht nur das Auto des Autofahrers sondern auch Irenes Auto - unser Kitemobil und roter Teufel - einen Totalschaden hat. So wurden wir unserer Mobilität, die besonders auf der Jagt nach dem besten Wind und der schönsten Welle so wichtig ist, beraubt. Bis heute hat sich von Seiten der spanischen Versicherung nicht viel getan, aber darauf wurden wir ja schon von der Polizei am Unfallort hingewiesen, dass das Alles ein bisschen länger dauert.

Um nicht in Einsamkeit zu verfallen nachdem uns dann am Montag die Bamberg Freunde wieder verlassen hatten, bekamen wir für zwei Wochen einen Hund zur Pflege, da sein Herrchen kurz nach Deutschland zurück musste. Mila hieß die Gute und ist uns allen super ans Herz gewachsen. So wurde frische Luft schnappen gehen für uns zur tägliche Routine und das traf sich auch ganz gut, da seit dem Unfallwochenende der Wind sehr sparsam war und uns so die Bewegung gut tat. Wir haben sogar mit Schwimmen angefangen um uns fit zu halten. Wobei ich dabei sagen muss, dass es für mich immer noch viel Arbeit zu tun gibt um dann einmal mit Irene mithalten zu können, die mir auf 1km Kraul immer noch 200m abnimmt. Naja, es kann ja nur besser werden.



Letztes Wochenende bekamen wir dann mal wieder Besuch. Linda kam und wir hatten ein - je nach Blickwinkel - Gott sei Dank bzw. leider ein windstilles, langes Wochenende. Aber es war schön doch wie sich jeder vorstellen kann natürlich viel zu kurz. Aber in mittlerweile weniger als zwei Wochen fliegen wir ja mal wieder nach Hause.
Nun gut, Das waren jetzt einmal die wichtigsten Ereignisse der letzten 5 Wochen. Das nächste Mal lass ich dann nicht so lange auf ein Update warten - Versprochen!
Liebe Grüße, Euer Valle
2007.02.07, 00:43
Cádiz aus anderer Sicht: Irenes Spot-on-the-Blog

Irene, die Gastautorin
Hallo allerseits,
eigentlich muss ich mich ja erst einmal vorstellen: ich bin die infamous Irene, die Wohnungsgenossin von Valentin. Ihr habt sicher schon öfter hier auf dem Blog von mir und über mich gelesen und ich dachte, es sei mal an der Zeit, das ganze Treiben hier einmal etwas von meiner Seite zu belichten.
Daher werde ich einen Kurzabriss über die letzten zwei Wochen liefern, wobei der Schwerpunkt mehr auf der letzten Woche liegen wird. Ich hoffe, ihr akzeptiert mich für diese Zeit als ‚Autorin’ und ab nächster Woche habt ihr den alten Valentin wieder .
Die vorletzte Woche war vor allem von Lernen geprägt. Ich für meinen Englischkurs und Valentin für ‚Marketing internacionál’.

Lernen am Strand - notfalls mit Decke
Dabei muss ich anmerken, dass mich von Donnerstag bis Sonntag mein Freund besucht hat und ich daher meine Tage mit ihm in Tarifa verbrachte, während Valentin brav zu Hause lernte. O-Ton als ich wieder heimkam: ‚Du, Irene, ich hab es wirklich genossen, dass du nicht da warst. Die Zeit ohne dich war echt schön!’ Charming – true flatmates forever, oder? .
Am Dienstag der letzten Woche fand dann Valentins Klausur statt, die wohl ganz gut verlaufen ist und ich bin mir sicher, als alter ‚Streber’ wird er auch diese mit ‚sehr gut’ bestehen – so eben wie den Englischtest, den er mit 9 von 10 Punkten gemeistert hat.
Nun, da die erste Klausur vorbei war, die zweite nur in weiter Ferne winkte (zwei Wochen bis dahin) und alle Staffeln von NCIS im Netz gesehen waren – das sind zusammen 44 Folgen und ca. 33 Stunden Film -, musste für Valentin etwas neues her. Aber nicht eine Sache, sondern zwei .
Am Abend zuvor hatte Valentin ein Surfbrett ausfindig gemacht und das wurde kurzerhand am nächsten Abend abgeholt. Seitdem zieren unsere Wohnung nicht nur sechs Kites und drei Kiteboards, sondern auch noch ein Surfbrett (und eine MENGE Sand natürlich ).

Das Prachtstück
Die zweite neue Sache sollte nicht so einfach zu erwerben sein. Während der Lernphase hatte Valentin statt in seinem ‚Grottenzimmer’ immer im Wohnzimmer gelernt und da ihm der kleine runde Tisch nicht genügend Platz zur Entfaltung gelassen hatte, war für Valentin sonnenklar: Ein neuer Ess- und Arbeitstisch musste her. Mein einziger Kommentar dazu war: ‚Komm, wir fahren zu IKEA und kaufen uns da einen billigen Tisch. Ok?’ Daraufhin sah mich Valentin nur ziemlich abschätzig von der Seite an und sagte: ‚IKEA? Ne, ne, den baue ICH selber!’
Gesagt, getan, an einem der nächsten Tage fuhren wir in die spanische Variante des Baumarktes namens Leroy Merlin. Welch ein Name – für spanische Zungen und Kehlköpfe kaum aussprechbar, aber Hauptsache man kann hier Material kaufen.
Ihr hättet Valentins Gesichtsausdruck und seine Augen sehen sollen, als er den Laden betrat: Wie ein kleines Kind, das Weihnachten und Geburtstag zugleich hat, sah er aus . Im Nu hatte er auch ein riesiges Brett, vier ungehobelte Vierkanthölzer, 12 30mm verzinkte Schrauben (und ein paar andere Schrauben) etc. zusammengesammelt, und nun musste nur noch das Brett zugeschnitten werden. Dabei hatten wir wieder mal die spanische Geruhsamkeit unterschätzt und so standen wir mindestens eine Stunde an der Schlange an, bis unser riesiges Brett in eine 180x80 Tischplatte zusammengesägt war. Glücklich, äußerst erpicht darauf, das ganze zu einem Tisch zusammenzubauen und 71 Euro leichter, fuhren wir heim. Während die gute Hausfrau kochte, baute der gute Hausmann den Tisch zusammen.


Mensworld!
Und weil vor dem extra gekauften E-Schraubenzieher noch ein Akku- stand und dieser erst 10 Stunden aufgeladen werden musste, schraubte Valentin den Tisch mir nichts dir nichts einfach per Hand zusammen. (Foto mit Folgen siehe unten).

Ein Grund warum Akkuschrauber nützlich sind.
Als ich dann am nächsten Morgen aufstand, strahlte mir der Tisch entgegen und ich muss gestehen, dass es wirklich ein Meisterwerk ist – dementsprechend stolz ist Valentin auch und freut sich SEHR über jede Art von Lob.
Den Rest der Woche verbrachten wir an unserem Schreibtisch, ich arbeitend, Valentin surfend und fernsehend .
Am Samstag kamen dann Chri und Martin an. Chri ist mein potenzieller Nachmieter, Martin sein Kumpel und beide kiten auch. Sie bewohnen nun sporadisch unsere Wohnung mit, bis sich Chri entschieden hat, welche Wohnung er beziehen wird.
Gestern, also am Montag waren wir dann noch in Tarifa beim kiten und ich durfte endlich meinen neuen Kite ausprobieren. Das interessiert euch zwar sicherlich weniger, aber ein Foto muss trotzdem auf den Blog.

Irenes "Größter" in Ihrer Kitefamily
Auf der Rückfahrt bemerkten wir dann, dass mein liebes Auto ab ca. 100km/h ziemlich zu vibrieren anfängt und wir denken, dass es irgendwie von den Reifen, der Karosserie, etc. kommt. Wenn also einer/eine der Leser/innen eine Idee hat, was das sein könnte, BITTE, BITTE lasst es mich wissen..
So, das war also mein erster Eintrag. Ich hoffe, ich habe euch nicht zu sehr gelangweilt, wie gesagt, nächste Woche kommt wieder Valentin. Bis dahin wünsche ich euch eine schöne Woche. Liebe Grüße und bis bald,
Irene
