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Presse AltlastPalast

Published on Wednesday, 11. October 2006, 18:06.
AltlastPalast Der Elefant im Lampenladen (030 Stadtmagazin)
Alles Hoffen, Beten, Protestieren hat nichts geholfen - der Palast wird abgerissen. Dabei lösten die Pläne des Senats, den Palast platt zu machen und ein Gebäude mit nachgebauten Stadtschlossfassaden zu errichten, im letzten Jahr heftigste Diskussionen aus: Auf der Seite der Palastgegner sind der Berliner Senat und der Förderverein Berliner Schloss Rädelsführer. Ihre Gegner sind die Bürgerinitiative Pro-Palast, der Bund Deutscher Architekten, die Künstler der Fraktale IV und die Palastretter. Protest, Schlammschlacht, offener Disput, und am Ende keine klaren Pläne für die Zukunft, aber eine große Abrisskeule, viele enttäuschte Ostberliner und ein bauhistorisches Denkmal weniger in der Hauptstadt. Ab Ende August 2005 dokumentierte Irina Enders die Fraktale IV im Palast, ab November die Demos und Protestaktionen der Abrissgegner wie auch ?befürworter. Nun präsentiert sie uns ihren äußerst sehenswerten Dokumentarfilm über die letzten Monate des Palastes der Republik und ein umstrittenes Stück Deutsche Geschichte.

Rückschau auf die Altlast des Palasts

Mit AltlastPalast hat Irina Enders einen Film gedreht, der noch einmal Rückschau auf die vergangenen Monate hält, als der Palast-Abriss kurz bevorstand.
Sven Scherz-Schade 25.04.2006
Am Ende der Debatten

Das Zeitdokument AltlastPalast von Irina Enders verrät viel über Berlin und die Berliner. Es verrät weniger über deutsche Geschichte. Dafür umso mehr darüber, wie die Deutschen mit ihr umgehen. Von Schleifung spricht im Film-O-Ton Hans Ottomeyer, Generaldirektor des Deutschen Historischen Museums. Ein normaler Vorgang sei das. Ein Vorgang, der überall in der Welt stattfände, wenn die Bauwerke der vorherigen Herrschenden geschliffen, das heißt demontiert, abgerissen und beseitigt würden. Der beeindruckende O-Ton eines Fachmannes. Ebenso beeindruckt im Film das Statement von Bruno Flierl. Der Architekturkritiker spricht vom unwürdigen Umgang mit der eigenen deutschen Geschichte. Und umwerfend beeindruckend ist schließlich der Optimismus von Stadtschlossbauherr Wilhelm von Boddien, der zum 25. Jahrestag der Wiedervereinigung deutscher Geschichte einen würdevollen Anstrich verleihen will, um am 3. Oktober 2015 das neue Schlosshaus mit Barockfassaden zu eröffnen. Mittlerweile kennt man die Argumente, man kennt die dazu gehörenden Köpfe. Deshalb bringt Irina Enders Film vielen Zuschauern vermutlich nichts wesentlich Neues mehr. Muss er auch nicht - er ist ja als Rückschau gedacht. Deshalb spielen auch Emotionen im Film eine nicht unbedeutende Rolle. Die Kamera wagt ab und an ungewöhnliche Seitenblicke: auf Spreeinsel, Dom und Altes Museum, auf die in der Ausstellung fraktale gezeigten Kunstwerke und schließlich auf schwimmende Eisschollen, auf denen Entenfamilien wärmeren Tagen entgegenwarten. Vom Bauwerk selbst, von den Menschen auf Demos und den Besuchern der Ruine fängt der Film großartige Momentaufnahmen ein. Die Entscheidung der Filmemacher, O-Töne sprechen zu lassen, hat seine Vorteile. Die Regie wahrt die objektive Perspektive. Es kommen mehrere Seiten zu Wort. Das Problem bei der Altlast des Palasts hingegen ist, dass man unmöglich alle Seiten anhören kann - es sind schlichtweg zu viele. Und der Sachverhalt ist zu komplex, als dass er sich auf zweipoliges Für und Wider, auf Befürworter und Gegner oder auf Schloss- und Palastnostalgiker verkürzen ließe. Deshalb wäre ein Kommentar im Film vielleicht doch besser gewesen, der angedeutet hätte, dass das Gezeigte längst nicht alles ist. Da wäre die große Schar derer, die hinter von Boddien stehen, aber einem gesellschaftlichen Milieu angehören, das traditionellerweise nicht demonstrieren geht. Da wäre die große Schar jener, denen das ganze Thema schnuppe ist, die sich nie um nimmer in Debatten einklinken und somit das ihrige zu einer willfährigen Vollstreckungspolitik leisten. Den Entscheidungsort Bundestag (über zwei Drittel der Stimmen) blendet der Film aus. Stattdessen soll die Senatorin Ingeborg Junge-Reyer die vermeintlich hilflose Weite der Landesebene darstellen. Das ist halbherzig inszeniert, weil die maroden Haushaltslagen des Bundes (Museumsinsel und Staatsbibliothek haben Vorrang) und des Landes Berlin (Schuldenberg macht handlungsunfähig) im Film nicht berücksichtigt werden. Dieses Manko macht der Film lediglich wieder wett, indem er die porträtierten Leute, diejenigen, die vor Ort was tun und machen, in den Vordergrund rückt. Was aber ist von den peinlichen Worten des Regisseurs Fabian Knecht zu halten: Wenn es so etwas wie Demokratie gibt. Zugegeben: Parlamentarismus gehört kritisch beäugt, und wichtig ist, dass die Abgeordneten Bodenhaftung behalten und in der Wirklichkeit verankert bleiben. Aber wie ernst ist diese Politikverdrossenheit bei Fabian Knecht tatsächlich gemeint, dass nun wegen des Palastabrisses die Staatsform Demokratie in Frage gestellt wird? Oder meinte der Interviewte seine Äußerung nicht ganz so eng? O-Töne, vor allem die spontan gesagten, haben ihre Nachteile.

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